Was
schrieb die Presse über die Gartenzwerge?
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Statue des kleinen Mannes Der "Nanologe" Fritz Friedmann über gefährdete Gartenzwerge Zipfel auf! Der Gruß Fritz Friedmanns ist standesgemäß. Denn er hat sich der Rettung eines ganzen Volkes verschrieben. Der Basler Nanologe besitzt gut 1.800 Zwerge. Und zwar beseelte. Beseelt sind jene immer rarer werdenden Exemplare, die aus Terrakotta hergestellt sind, und wahre Zwerge sind sie dann, wenn sie der normierten Größe von höchsten 68 Zentimetern entsprechen - und als würdige Vertretung ihrer Spezies dargestellt sind. |
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"Kein
Messer im Bauch, kopulierend, sonstwie unartig, oder womöglich
gar als weiblicher Gartenzwerg dargestellt." Auch
wenn er zu seinen Geschöpfen wie die Jungfrau zum Kind gekommen
ist. Mit einem Kollegen verschickte der Wirtschaftsjournalist und Werber
vor vielen Jahren aus Jux und Tollerei ein hochoffizielles Schreiben
mit dem kreierten Briefkopf der ersten "Schweizer Zwergenfabrikation"
an Werbekollegen und lud einige von ihnen in ein vornehmes Hotel zwecks
Besprechung der Marktstrategie ein. Alle ließen sich hereinlegen. Aber als einer der Hereingelegten einmal gefragt wurde, ob er einen Zwergenfachmann kenne, nannte er ohne zu zögern den Namen Fritz Friedmann. "Ich wollte nicht zugeben, dass ich keine Ahnung hatte", gesteht Friedmann. Und so begann er sich in die Geschichte der Gartenzwerge einzulesen - der Nanologe war geboren. Subversiver
Spießbürger Dank
des lebensechten Ergebnisses durfte der Besitzer Ehrungen als treffsicherer
Schütze entgegennehmen. Ein
Lehrling, der in einem Schlosspark eine große Trollen- oder Zwergenfigur
gesehen hatte, kam auf die Idee, Attribute
wie spießbürgerlich, typisch deutsch und ähnliches begleiten
noch heute diese gemütlichen Figuren, die bis zum Zweiten Weltkrieg
südlich der Mainlinie vor allem im deutschsprachigen Raum große
Verbreitung fanden. Später,
im kommunistisch gewordenen Ostdeutschland, wurden dem armen Mann bourgeoise
Tendenzen unterstellt. Die Produktion wurde erneut verboten und der
Gartenzwerg trotz roter Zipfelmütze zum Antikommunisten. Dabei
hätte den Parteibonzen ein Blick in die Geschichtsbücher genügt,
um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Die Gartenzwerge symbolisieren das harte Leben der Grubenarbeiter. Und doch gibt es einen wichtigen Unterschied: Friedmann: "Es scheint, als hätten die Gartenzwerge viel zu tun. Aber in Wirklichkeit arbeiten sie nichts. Deshalb sind sie so gut gelaunt." Alleine deshalb ist ihre Gegenwart auch besonders für einsame Menschen wichtig. "Wer keinen Hund oder keine Katze hat, erzählt dem Gartenzwerg seine Sorgen", erläutert Friedmann. "Es sind gute Gesprächspartner. Sie hören immer zu. Man kann Fragen an sie richten, aber sie geben nie dumme oder freche Antworten." Die Beziehung zwischen Mensch und Zwerg manifestiert sich deshalb auch in der Namensgebung. "Helmut Kohl" heißt beispielsweise ein dickbäuchiger, biertrinkender Zwerg auf Joseph Ress' Vorplatz im elsässischen Zillisheim. Andere heißen Heino, Pauli oder Sebi. Seit der 67-jährige Rentner eine Sammlung von 330 Zwergen sein Eigen nennt, stürmen immer mehr Besucher seinen Garten. Rund 2.000 seien es im letzten Jahr gewesen. Dabei verlangen er, seine Frau Augustine und seine Töchter niemals Eintritt. Alleine zu Weihnachten seien 3.000 Besucher gekommen. Sein Garten ist ein buntes Sammelsurium von echten und unechten Zwergen. Viele sind aus Plastik, andere zu hoch oder entsprechen in ihrer Darstellung nicht dem würdevollen Gartenzwerg. Gerne hätte Ress auch ein pinkelndes Exemplar hingestellt, aber da legte seine Frau Augustine ihr Veto ein. Dafür gestaltet er seine Schar regelmäßig um. Mal drückt er einem ein Glas Wein in die Hand, mal eine Flasche Schnaps. Ein besonders beliebtes Fotosujet ist der Piratenzwerg. Riesige
Zwergensammlung Zu
allem Übel wurde er vor einigen Jahren auch noch von der "Gruppe
zur Befreiung der Zwerge" heimgesucht. Das kann ihm nun nicht mehr
passieren. "Wir haben den Garten eingemauert." Heute
werden die Zwerge aus Ton in Tschechien oder China hergestellt. Die
deutsche Produktion wurde von Chinesen aufgekauft. Doch von deutscher
Wertarbeit ist nichts mehr zu sehen. "Schlecht bemalt, anfällig
auf Wind und Wetter sind sie", klagt Friedmann. Außerdem
stellen die chinesischen Käufer gemeinsam mit den Gartenzwergen
Tonkrieger her - eine Schande für das friedliche Symbol der Bodenständigkeit.
Ein
Greuel für Friedmann sind aber auch die Plastikzwerge, die zu Billigpreisen
in den Warenhäusern verramscht werden. Auch wenn der gute alte
Gartenzwerg in Deutschland nicht mehr hergestellt wird, scheint sein
weltweiter Aufstieg doch unaufhaltsam. "Immer mehr Menschen erkennen
seinen kulturellen Wert", sagt Friedmann. Eines
ist für Friedmann sicher: "Nicht jeder Zwerg ist ein Gartenzwerg,
aber jeder Gartenzwerg ein Zwerg. Und er sollte es uns wert sein, für
seine Existenz zu kämpfen. Alleine, um der Dimensionen willen.
Die Philosophie ist ein uraltes Spiel zwischen klein und groß.
Diese Fragen haben Fotografen, Bildhauer und Schriftsteller inspiriert.
Und zu wegweisenden Erkenntnissen geführt. Etwa Novalis, den Frühromantiker
der deutschen Dichtung, der sagte: ,Wenn du einen Riesen siehst, prüfe
den Stand der Sonne und sieh nach, ob es sich nicht nur um den Schatten
eines Zwerges handelt.'" |
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Wiener
Zeitung - 24. August 2001
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